k.k. Infanterieregiment Nr. 3 Erzherzog Carl



 

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Entwicklung der Militärmusik



 
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 19.10.2020, 19:33    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Die vollständige Geschichte, sprich Entwicklung, geb ich hier nicht wieder - das wäre eine Abschreibarbeit für die nächsten Wochen und Monate.

Wer ALLES wissen will, dem empfehle ich das Buch "Das ist Österreichs Militärmusik" - Verlag "Edition Kaleidoskop" - ISBN 3-222-11402-1.

Dieses welches ich mir von Sebastian geliehen, beinhaltet sehr viele interessante Details und auch tolle Abbildungen. Ich werde mich bemühen auch einige dieser Bilder einzuscannen und hier einzufügen !

Was uns als "türkische Musik" bekannt ist, fand schon nach der letzten Türkenbelagerung, im Speziellen Anfang des 18. Jhd. Einzug ins Militär.

Mit dem "Spielleuthe-Normale" vom 7. Mai 1777 wirds auch für uns interessant - ein erneuter Versuch dem Wildwuchs von Spielleuten (von Musikern konnte man damals noch nicht sprechen) Einhalt zu gebieten.

Die zahlreichen Paragraphen berichten davon, woher der Regiments-Tambour genommen werden darf, welche Qualifikation er haben muß und welche Charge. Daß die anderen Spielleute nicht zu Ungunsten des Feuergewehrstandes rekrutiert werden dürfen, daß Zöglinge "Trommelknaben" aus dem Josephinischen Waisenhaus genommen werden können, über Stiftungen auch die Monturs-Sorten und Instrumente finanziert werden können etc.

Der §8 beginnt mit "Von den bey einem Infanterie Regiment befindlichen 48 Spielleuten (da sind die Tambours inkludiert) können 8 dergestalten zu Hautboisten genommen werden, daß vier die Feld Battaillons und vier das Garnisons Battailon darzustellen, ..."

Dagegen im §11 steht "Die Grenadier Battaillons dürfen keine besondere Banda errichten, und überhaupt sol keine Grendiers Compagnie außer den vorgeschriebenen zwei Tambours und zwei Pfeiffern mehrere Spielleute führen, weder von diesen ein- oder anderen als Clarinettisten gebrauchen."

Eine klare Trennung der militärischen Spielleute und der musikantischen Hautboisten. Hier wird Mitte des 18. Jhd. von der fast schon zur Plage gewordenen Gepflogenheit berichtet, daß gegen klingende Münze, hohen Offiziers auch "klingende Ehrungen" zu Teil wurden (man beachte die Herkunft des Wortspiels "klingende Münze" !) - wodurch sich die Hautboisten ein Zubrot verdienten.

In der zweiten Hälfte des 18. Jhd. verfielen immer mehr Regimentsinhaber und Kommandanten auf den "personalpolitischen" Kniff, Soldaten aus dem Feuergewehr-Stande zu nehmen, sie an Instrumenten werken zu lassen und unter die Hautboisten einzureihen, was offenbar derart ausartete, daß man im Jahre 1766 regulierend eingriff - das "Zirkular-Reskript" vom 4. Oktober 1766 ist somit das früheste Dokument des Bemühens um eine einheitliche Organisation des Militärmusikwesens.

Die Weiterentwicklung fand sich im oben erwähnten Spielleuthe-Normale von 1777 wieder.

... zur Erklärung ...

Hautboisten
jene 8 Spielleute, welche sich auch in unseren Aufstellungen der Infanterie wiederfinden, das sind jeweils 2 gleicher Art Instruments (Oboe, Klarinette, Fagott und Waldhorn) - diese Hautboisten entwickeln sich im Laufe der Jahrzehnte zu den Leitinstrumenten, Hauptmusikern und Parademusikern, welche in Gala-Uniformen im ersten Glied standen.
Hautboist ist übrigens abgeleitet vom Französischen Hautbois, zu Deutsch - die Oboe !


... Fortsetzung folgt ...
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 20.10.2020, 09:59, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 19.10.2020, 20:34    Titel: 2. Teil über die Militärmusik Antworten mit Zitat

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Neben den bekannten Spielleuten der Infanterie, entwickelten sich aber auch bei der Kavallerie nicht nur Trompeter, sondern gleichermaßen ganze Banden. Als besondere Eigenheit der kaiserlichen Armee, darf aber nicht vergessen werden, auf die Artillerie-Banden hinzuweisen !

Die Artillerie im kaiserlichen Heer des 17. und auch 18. Jhd. bot ein militärmusikalisches Kuriosum und damit das Bild einer "autonomen Stellung", denn bei dieser lange Zeit zunftähnliche, aufgebauten Waffengattung wurde als Musikinstrument der Dudelsack verwendet - die abgewandelte Form ist uns als "böhmischer Bock" bekannt !

Mit der Verordnung vom 16. Mai 1772 wurde das Österreichische Artilleriewesen neu organisiert und der Dudelsack verlor seine Bedeutung bzw. wurde aus seinen Diensten entlassen.

In ihrer Besetzung war die Hautboisten-Banda des letzten Jahrzehnts des 18. Jhd. de facto ein Bläseroktett, welches auch als eine Art Privatkapelle auf diversen Adelsgütern Verwendung fand. Die 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Waldhörner und 2 Fagotte, nach der damaligen Gepflogenheit als "Feldmusik" oder "Harmonie" bezeichnet, war ein selbständiger Klangkörper, der vorerst bei rein militärisch-dienstlichen Anlässen für sich allein ausrückte. Als Privatkapelle verwendet, war es also logisch, daß die Banda die Tendenz zur Erweiterung entwickelte, daß die "Harmonie" im Freien anders wirkte, als in geschlossenen Räumen !

... zur Erklärung ...

Banda
aus dem italienischen für Musikkapelle, ist das ursprüngliche Wort auch im Sinne von Bande, Truppe, Häuflein zu sehen, gegen Ende des 18. Jhd. verschwand dann mehr und mehr der Begriff der "türkischen Musik" und an ihrer Stelle fand "Banda" Einzug in den Sprachgebrauch.

Die noch rein josephinisch geprägte kaiserliche Armee, welche im ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich in den Krieg zog, wurde 1792 von einem 43jährigen Goethe begleitet. Goethe als Geheimrat und Begleiter seines Landesherrn, des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar schrieb am 24. Juni 1792: "Man versäumte nicht, den Österreichischen Zapfenstreich zu hören, welcher alle andere der ganzen alliierten Armee übertraf !"

Gerade in dieser Zeit vermehrt sich der musikalische Einfluß aus Böhmen, jenem gelobten Land der Musik, welches in Prag die erste musikalische Ausbildungsstätte im Reich der Habsburger hervorbrachte und somit auch mit Wien rivalisierte !

Ein für mich besonders schöner Text beschreibt diesen musikalischen Dualismus zwischen Donau und Moldau (Auszug aus dem Jahrbuch der Tonkunst für Wien und Prag, 1796):

"Die Militärmusik ist entweder die gewöhnliche Feldmusik, oder die türkische Musik. Die Feldmusik oder sogenannte Harmonie, welche man auch die Bande nennt, besteht aus zwei Waldhörnern, zwei Fagotten und zwei Oboen; diese Instrumente kommen auch bei der türkischen Musik vor, wozu aber noch zwei Klarinetten, eine Trompete, ein Triangel, eine Oktavflöte und eine sehr grosse Trommel, eine gewöhnliche Trommel und ein paar Cinellen gehören.
Beim Aufziehen der Burgwache und der Hauptwache hört man die Feldmusik. Die türkische Musik wird in den Sommermonaten Abends bei schönem Wetter vor den Kasernen, bisweilen auch vor der Hauptwache gegeben. Das sämmtliche Offizierskorps erhält das zur türkischen Musik gehörige Personale."


... Fortsetzung folgt ...
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 19.10.2020, 21:06, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 19.10.2020, 20:58    Titel: 3. Teil - Österr. Militärmusik Antworten mit Zitat

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Seit dem 10 Februar 1806 ist unser ehrwürdiger Erzherzog Karl Generalissimus und Präsident des Hofkriegsrates und gab uns die markantesten Neuerungen in Sachen Armeereformen. Für mich völlig unbekannt - auch die Militärmusik reformierte er !

Er lies die Pfeifer auf - "... wonach also der Stand der Spielleute aus 2 Tambours pro Compagnie, folglich aus 36 pro Regiment und außerdem noch mit 8 Hautboisten" zu bestehen hatte. Gleichzeitig wurde gestattet, die durch den Ausfall der Pfeifer entbehrlich gewordenen Musiker als sogenannten "Bandisten" zur Aufstockung der Kapelle heranzuziehen, mithin zählten die Musikbanden in der Regel 48 Mann. Von nun an unterschied man zwischen den beiden Gruppen "Hautboisten" und "Bandisten".

Somit ist für mich die bisherige Meinung "Militärkapellen gab es erst viel später" auch als Mär abgestempelt, wenngleich sich das was wir unter einer Militär-Blasmusikkapelle verstehen, erst ab 1822 entwickelte !

Auch die Gleichstellung in Sachen Uniformierung, Verpflegung und Besoldung aus dem Ärar wurde ab 1809 angestrebt. Strikt verboten war es "dem Ärar einen höheren Aufwand aufzubürden !"

Weiters findet sich hier der Wortlaut im Dienstreglement der k.k. Infanterie "... nicht, wie bisher, verzagte schwächliche Knaben", sondern beherzte Männer von soldatischen Qualitäten, Kerle, die im Gefecht mutig mit ihrer Truppe zum Sturmangriff vorgingen, zu verwenden.

Das Jahr 1809 bringt für uns nicht nur verlorene Schlachten, sondern auch die französische Okkupation von Wien.

Ein Zeitgenosse - Franz Grillparzer - schreibt in seiner Autobiographie, wie tief es ihn trotz heftigen inneren Widerstrebens gegen solche Faszination beeindruckte, wenn der stämmige kleine Mann im dunkelgrünen Rock die Treppen des Schlosses herabeilte." (gemeint ist hier Schloß Schönbrunn)

Eine andere Quelle (Friedrich Anton von Schönholz) berichtet von einer Exkursion in das französische Lager am linken Donauufer (sprich Lobau !):

"Eigentlich waren es improvisierte Militärkolonien, nach großartigem Plane angelegte Ortschaften für ein wanderndes Soldatenvolk. Hier bewirtet nun der gesellige Franzose seine Wirte; zwischen wurzellosen Baumreihen, auf sandgestreuten Wegen erging sich die schöne Welt beim Spiel der Regimentsmusik, lagerte sich vor den schmucken Estaminets der Marketender, ergötzte sich am Glanz der Uniform, der militärischen Lebensweisen, dem Stockwerfen der Tambourmajors, den abends abgebrannten Feuerwerken, und manches zerstreute Wienerkind überhörte den Zapfenstreich."


... Fortsetzung folgt ...
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BeitragVerfasst am: 26.10.2020, 09:07    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Gegen Ende der napoleonischen Kriege fand in Wien das erste internationale Gipfeltreffen der Weltgeschichte statt - und ist als "Wiener Kongreß" in die Geschichte eingegangen.

In besagtem Buch finden sich dazu viele interessante Informationen:

Die Eröffnung des Wr. Kongresses fand am 1. November 1814 statt und endete im Juni 1815. Ein ständiger Wechsel aus Konferenzen und glänzenden Selbstinszenierungen der Staatsminister, Fürsten, Herzöge, Könige und Kaiser.

Ein uns sehr bekannter Ausspruch wurde aus der ironischen Distanz zum Kongreß heraus berühmt. Der wallonische Fürst und Feldmarschall Carl Joseph Lamoral de Ligne, welcher wegen seiner Lieblingsfarbe als "der rosenrote Fürst" bekannt war, kommentierte die immer wieder stockenden Staatsaktionen mit dem Bonmot "Le Congrès danse et ne marche pas !" - "Der Kongreß tanzt, doch er nimmt keinen Fortgang !"

Er verstarb im Advent 1814 und bescherte den anwesenden Adeligen, Politikern und gekrönten Häuptern "a scheene Leich". Wie es einem kaiserlichen Feldmarschall gebührte, folgten seinem Sarg Souveräne und Staatsmänner, 8000 Mann Infanterie mit ihren Musiken, vier Geschützbatterien und mehrere Eskadronen Kavallerie. Den Regeln einer "Generalsleich" wurde vor dem Leichenwagen ein in schwarz gehülltes Pferd am Zügel geführt und hinter dem Sarg hatte ein voll Geharnischter mit geschlossenem Visier und gezogenem Schwert zu reiten, das Prunkstück des gesamten Aufzugs, Sinnbild des Düster-Erhabenen.

Die repräsentative Rolle der Militärmusik war geringer als man denken möge - die Truppen traten im September jeweils zum Empfang der Fürstlichkeiten an, im Oktober fanden einige "Kirchenparaden" statt, die Artillerie führte auf der Simmeringer Heide südöstlich von Wien Manöver aus, die technischen Einheiten, Sappeure und Mineure, demonstrierten ihr Kriegsspiel in Bruck an der Leitha.

Die größte und auch letzte soldatische Feier der Kongreß-Ära aber war das Fest zum Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig am 18. Oktober 1814 im Prater und zwar im Gelände des "Lusthauses".

Einer der bekanntesten Märsche dieser Zeit ist der "Alexander-Marsch" von Persuis, aus dem Ballet "Der blöde Ritter" (richtig gelesen !). Eine der Zeitzeugen war eine Frau Karoline Pichler, ihres Zeichens Wr. Schriftstellerin, Dame der Gesellschaft - sehr geschätzt und nach heutigem Ermessen trotzdem eine Klatschtante - sie berichtet:

"Das angenehmste Herbstwetter begünstigte die im Freien veranstaltete Festlichkeit. Am frühen Morgen war alles in Wien in Bewegung und wer nur irgend konnte, schloß sich an Offiziere und deren Familien an, um Platz und Gelegenheit zu erhalten, alles zu sehen. Ein dichter Nebel lag auf der Gegend."

Die Truppen formierten ein doppeltes Karree. Im Zentrum desselben war ein großes Zelt zu Ehren des allgemeinen Friedens. Die Säulen, auf denen es ruhte, waren mit Waffentrophäen und Standarten geschmückt, die im Winde flatterten. Ringsherum war die Erde ganz mit Blumen bestreut. In der Mitte des Zeltes stand ein Altar mit reichen Draperien. Unzählige Kerzen verbreiteten ihr Licht. Teppich von rotem Damast bedeckten die Stufen des Altars.

"Die Monarchen - gleichviel von welcher Confession, denn sie waren ja hier versammelt, um dem allgemeinen Vater, Schöpfer und Erhalter zu danken und Ihn, der für alle Derselbe ist, im Geist und der Wahrheit anzubeten - also alle diese hier versammelten Großen der Erde befanden sich auf jener Erhöhung (die an der Praterallee aufgeschüttet war und worauf sich das Zelt für die Messe befand), wo die feierliche Messe gehalten wurde. Kanonenschüsse donnerten bei den wichtigsten Theilen derselben und ihre Erschütterungen zertheilten die Nebel."

"Endlich war es Zeit, uns nach dem Lusthaus und der Simmeringer Heide zu begeben. Hier war der Ort der Mahlzeit für die ganze damals in Wien anwesende Garnison - eine unabsehbare Menge von Tafeln war im Freien aufgeschlagen, an denen mehrere tausend Krieger, meist solche, die den Freiheitskampf mitgestritten, bewirthet wurden. Im Lusthaus selbst waren die Tafeln für die Souveraine und was zu den respektiven Höfen gehörte.
Alles war Leben, alles Fröhlichkeit, heiterer Muth und selige Hoffnung einer bessern Zukunft. Die Offiziere speisten meistentheils an demselben Tische mit ihren Gemeinen (!). Es war ein herrlicher, ein unvergesslicher Tag - durch seine Bedeutung, durch seine erhebende Feier. Auch schien sich der Himmel unserer Freude zu freuen. Die heiterste Sonne strahlte über den Glücklichen. Erst mit dem sinkenden Tage trennte man sich und eine schöne Erinnerung an dieß Fest blieb gewiß in Aller Herzen."
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BeitragVerfasst am: 08.12.2020, 18:03    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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... hier einige Abbildungen ...


"Türkische Musik" eines Grenadierbataillons bei der ungarischen Krönung Kaiser Leopolds II. in Preßburg - 15. November 1790



Regiments-Banda des IR52 bei der Parade auf dem Glacis vor Wien, um 1823



Regiments-Banda des IR36 anläßlich der Grundsteinlegung zum Russischen Monument bei Kulm (1813) am 29. September 1835
anwesend waren die Monarchen Ferdinand I., Nikolaus I., Friedrich Wilhelm III.

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BeitragVerfasst am: 08.12.2020, 18:17    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Nach Einführung der Militärkapellmeister und die allgemeine Aufwertung der Militärkapellen, begann auch die Ära der großen Dirigenten und Komponisten - z.B. Johann Strauß.

Ein weiteres Novum waren neben den Paraden, die in Wien meist auf dem weiten Josefstädter Glacis abgehalten wurden (etwa dort, wo heute das Rathaus steht), musikalische Großveranstaltungen zu ganz besonderen Anlässen.

Ein Solcher war gegeben, als sich 1843 die Verleihung des Großkreuzes des Maria-Theresien-Ordens an Erzherzog Karl, zum fünfzigstenmal jährte.

Am Abend des 4. April fand eine Fest-Retraite statt - auf der Augustinerbastei vor dem Stadtpalais des alten Feldmarschalls marschierten vier Regimentskapellen vereinigt auf - jene des IR "Erzherzog Karl", jenes der "Hoch- und Deutschmeister", von "Prinz von Hessen-Homburg" und des 2. Artillerieregimentes. Dazu nicht weniger als 100 Tamboure.

Bei Fackelschein begann die Retraite, ihr folgte der alte österreichische Zapfenstreich, von 20 Tambours geschlagen und von 20 Pfeifern gespielt. Ein bewußter, seltener Rückgriff ins Historische, in die Zeiten des frühen 18. Jahrhunderts.

"Nach Ausführung einiger Märsche ging dann der Zug durch die dichten Wogen begeisterten Volkes, von Fackeln beleuchtet, von Kavallerie begleitet, abwechselnd kriegerische Weisen anstimmend und den dermaligen Retraitestreich schlagend, über die Augustinerbastei auf den äußeren Burgplatz vor die Fenster des Kaiser, dann auf den Hof an´s Hofkriegsrathsgebäude, vor die Wohnung des Hofkriegsrathspräsidenten, Generals der Kavallerie, Grafen von Hardegg."
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 08.12.2020, 18:55, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 08.12.2020, 18:30    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Parade am Exerzierplatz des Wiener Glacis - IR 60, um 1830 - im Vordergrund zu Pferd der Herzog von Reichstadt (Sohn Napoleons I)



Musikbanda des IR19, um 1840

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BeitragVerfasst am: 08.12.2020, 18:49    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Als letzten Beitrag, möchte ich noch jenen über das Begräbnis von FM Radetzky wiedergeben - jenem Feldherrn der schon Zeitgenosse Maria Theresias war, die napoleonischen Kriege mitprägte und in den Italienfeldzügen ein letztes Mal den großen Geist der Österreichischen Armee hervorbrachte !

Radetzky verstarb am 5. Jänner 1858 in seiner Mailänder Villa - sein Leichnahm wurde per Eisenbahn nach Wien gebracht - am 18. Jänner erfolgte die feierliche Einsegnung im Stephansdom - Kaiser Franz Joseph persönlich übernahm das Kommando des Konduktes aus der Wiener Innenstadt zum Nordbahnhof am Rand des Praters.

Der britische Botschaftsattaché Horace Rumbold schrieb darüber in seinen Memoiren:

"Am Tag des Leichenbegängnisses trat die Wiener Garnison, verstärkt durch die in der Umgebung stationierten Truppen, insgesamt etwa 40.000 Mann, in starken Marschblöcken auf dem Burg-Glacis an, um den Trauerwagen zu empfangen, der bei einer nahen Kirche abgestellt war.

Als alles bereit war und der Kondukt sich formiert hatte, ritt der Kaiser in Begleitung eines einzelnen Adjutanten aus der Hofburg heran und übernahm den Befehl des gesamten Aufgebots.

Ich beobachtete dies aus dem Fenster einer Wohnung in der Leopoldstadt. Es war ein kalter, düsterer Tag - scharfe Windstöße trieben leichte Flockenwirbel dahin. Stundenlang defilierten die Truppen - Reiterei, Fußvolk und Artillerie - Ungarn, Italiener und Kroaten.

Berühmte Regimenter nebst den Husaren des Feldmarschalls, Dragoner und Ulanen, Jäger und Kürassiere - alle in feldmäßiger Winteradjustierung, ohne Gold und Glanz, aber in untadeliger militärischer Strammheit und voller Ausrüstung.

Totenstille in der Menschenmenge, welche die Straßen säumte, kein Ton als das Rasseln der Kanonen, der Marschtritt der Bataillone, das Klappern des Hufschlags, das Klirren von Sporen und Säbelscheiden, die Wirbel der verhüllten Trommeln ... und für mich persönlich am merkwürdigsten - die Kapellen spielten eine feierliche Weise, die sonderbar vertraut schien, doch in einem neuen, fremden Rhythmus.

Ein findiger Kapellmeister hatte die einfache, aber ingeniöse Idee, den mitreißenden Radetzkymarsch von Strauß Vater in Moll und ein getragenes funebrales Taktmaß zu setzen und während ein Regiment nach dem anderen vorbeizug, klang diese Melaodie als Klagegesang durch die frostige Luft."
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BeitragVerfasst am: 08.12.2020, 18:51    Titel: Entwicklung der Militärmusik Antworten mit Zitat

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Regimentsbanda des IR3 um 1863 - Garnison 1860-1865 in Verona

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