k.k. Infanterieregiment Nr. 3 "Erzherzog Carl" - 1. Grenadier Compagnie



 

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Austerlitz 2014 - Auszug aus dem Tagebuch eines Veteranen



 
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 06.12.2014, 10:36    Titel: Austerlitz 2014 - Auszug aus dem Tagebuch eines Veteranen Antworten mit Zitat

„ … Bajonette überall – Haltet die Linie !
… Ich blicke in das Gesicht eines Polen – Nacht umwandert mich – Adieu !“





„ Blitze, Amboßschläge – heiß, kalt – Höllenqualen – mein Geist versucht sich zu besinnen. Meine Augen – ich kann nichts sehen. Mein Körper – ich kann mich nicht bewegen. Doch, neben stechendem Schmerz, der mich gefangen hält, gelingt es mir meinen rechten Arm zu bewegen. Zuviel – mir schwinden wieder die Sinne.

Beißender Geruch läßt mich wieder erwachen – ich atme – ich höre mein Herz – es schlägt schnell. Ich sehe noch immer nichts – versuche mich zu bewegen. Da spüre ich wie eine Hand die meine drückt und beruhigend auf mich einspricht. Ich solle ruhig liegen bleiben – man hätte mich vom Schlachtfeld ins Lazarett gebracht und von dort in die Garnison zu Olmütz. Schwerst verwundet hegte man keinerlei Hoffnung mich einer Genesung zuführen zu können. Nun sind schon fast 3 Wochen vergangen, mein Körper habe das Wundfieber bekämpft. Warum ich nicht sehe, frage ich benommen, wobei meine Worte lediglich Lauten gleichen, so vertrocknet sind die Lippen, so unkoordiniert noch meine Gedanken. Doch mein Vis-à-vis versteht. Eine große Wunde am Kopf machte es notwendig diesen auch über die Augen zu verbinden, das linke Auge ist in Mitleidenschaft gezogen. Morgen soll der Verband gewechselt werden - wir werden sehen – er müsse sich nun wieder um andere Verwundete kümmern, sei jedoch sehr erfreut, daß ich überlebt habe. Die Hand verläßt die meine …

Ich erwache erneut – wieder dieser beißende Geruch – diesmal lassen mich mein Gedanken erkennen, was in einem Lazarett so üblich ist – Blut, Eiter, Weihrauch, Tod. Mir fehlt jegliches Zeitgefühl – Verband wechseln – ist das heute ? oder ist noch gestern ? Ich versuche mich bemerkbar zu machen, habe Durst – doch meiner Kehle entfahren nur Röcheln und unverständliche Laute.

Mein Geist versucht die Gegenwart zu verdrängen – was war geschehen ?
Haben wir gewonnen ?
Oder verloren ?
Wer von meiner Compagnie hat noch überlebt ?
Mir schmerzt mein Kopf – ich versuche zu schlafen …




... Fortsetzung folgt ...
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 07.12.2014, 10:28    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 2. Teil Antworten mit Zitat

Schmerz durchzuckt meinen Körper, als ich merke, daß jemand meinen Arm berührt – Stimmengewirr dringt an meine Ohren, doch nur eine Stimme wendet sich an mich – ich kenne sie nicht – man wird mir nun die Verbände abnehmen, am Kopfe beginnend. – Erschrocken besinne ich mich dergestalt meines Körpers und stelle die Frage, ob dieser vollständig ist, oder ich eines meiner Gliedmaßen Verlust geraten bin !

Man versichere mir, alle Gliedmaßen seien vollzählig – die Verwundungen hätten keine lebenswichtigen Organe betroffen – ein Bajonettstich ging durch die rechte Seite. Einer in den linken Oberschenkel – man glaubte den Fuß abnehmen zu müssen, doch der Wundbrand verging. Der linke Unterarm ist gebrochen und vermutlich auch mehrere kleine Knochen in der linken Hand.

Mein Oberkörper und Kopf werden angehoben – schmerzgepeinigt stöhne ich auf – man beginnt den Verband am Kopf zu lösen – Schicht für Schicht – mir scheint als lichte sich das Dunkel – und tatsächlich, an mein rechtes Auge dringt kühle Luft – ich versuche es zu öffnen – Blitze durchzucken meinen Kopf – ich lasse es geschlossen. Das Linke ist durch die Wunde noch zu sehr geschwollen, als daß man eine Prognose wagen könne – so die eine Stimme.

Eine zweite Stimme teilt mir mir, daß auch die Wunde am Kopf vorteilhaft aussehe und man von einer Amputation absehe. Ich verstehe diesen Scherz, so wie ich auch die Stimme erkannt habe – jener der mir schon einmal am Krankenbett gut zugesprochen hat. Mein Lächeln wird vermutlich niemand erkannt haben.

Die Tortour des Verbandwechselns verging, wenngleich gefühlte Tage des Schmerzes.
Schlaf, nichts als Schlaf – und Vergessen !


... Fortsetzung folgt ...
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 10.12.2014, 21:19, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 09.12.2014, 08:30    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 3. Teil Antworten mit Zitat

Gedankenfetzen – verschwommene Bilder – wirre Muster – Schreie – Schüsse.

... mein Gedächtnis beginnt zu ordnen, was fehl geraten.

Schreie und Schüsse formen sich zu Gefechtszenen – wirre Muster und verschwommene Bilder zu Abläufen was erst wenige Stunden oder Tage herzusein scheint. Gedankenfetzen geben diesen Eindrücken Namen, Beschreibungen, eine Geschichte …

Wir – das ist die 4. Kolonne der Österreichischen Armee, am Marsch Richtung Austerlitz. Angeblich eine schöne Stadt, welche ich jedoch noch nie erblickte. Napoleon nötigt uns schon wieder zu einem Krieg, welchen wir nicht wollen. Seite an Seite mit den Russen.

So uneins und desorganisiert sah ich unsere Offiziere noch selten. Dieses Sprachen-Wirrwarr ist schon in unserer Armee ein Hindernis – doch jetzt auch noch Russisch ! Diese Starrköpfe – schon als Absicht abgetan, wird immer eine andere Richtung angegeben, eine andere Meinung vertreten und keine vereinbarte Zeit eingehalten.

Wir verließen die Garnison zu Olmütz und marschierten in schnellem Schritt über Land – unser Train immer hinter uns her. Das Wetter für diese Zeit entsprechend – mal windig, mal weniger, mal feucht, mal trockener – doch seit gestern beständiger Nebel und es wird kälter. Unser Schuhwerk bereits durchnäßt – doch wenigstens hält unsere Uniform noch etwas warm – glücklich wer einen Mantel hat !



Alle 4 Stunden gibt es Rast – nicht mehr als das Viertel einer Stunde – zu wenig um zu schlafen, zu wenig um zu kochen. Wer kann reinigt sein Schuhwerk, flickt es notdürftig – Werkzeug wird von Hand zu Hand gereicht – ebenso Brot. Die Stimmung ist gut – meine Abteilung stimmt ein Lied an und bald stimmen weitere ein.

Bei einer Wegkreuzung erkennen wir schon von weitem Fuhrwerke mit Artillerie. Zwei Gespanne kamen sich in die Quere und beschädigten die Räder. Deren Trupp jedoch zog weiter – Befehle und deren Zeitplan müssen eingehalten werden ! Die Bedeckung für die zwei kostbaren Geschütze ist spärlich. 3 russische und 4 österreichische Jäger, 5 Mann Artillerie, 3 Mann Train.



Offiziere beratschlagten und erteilten uns überraschend den Befehl mit einer Abteilung Grenadiere dieser gestrandete Einheit beizustehen, sie zu beschützen und behilflich zu sein, rasch wieder den Marsch aufnehmen zu können.

Der Plan sah vor, daß wir uns mit dem hinter uns anfahrenden Train vereinen sollten.
Man gab uns noch einen Husaren-Unteroffizier des Regiments Kienmayer zur Seite, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten.
Die Kolonne zog weiter.


... Fortsetzung folgt ...
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 16.12.2014, 22:08, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 10.12.2014, 21:18    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen 4. Teil Antworten mit Zitat

Tage sind erneut vergangen, ich erhole mich nur langsam, doch frohen Mutes überlebt zu haben, füge ich mich in mein Schicksal.
Meinen Pfleger sehe ich nun schon von Antlitz zu Antlitz – Jiri, ein Mähre, freundlich und hilfsbereit.
Ihm fehlt die linke Hand – stolz trägt er am Sanitätskittel das Veteranenabzeichen zweiter Klasse.
Seine Geschichte möchte ich noch erfragen.

Das was ich bisher vom Hospital erblicken konnte, läßt einen Kranken nicht gerade hoffen, vielmehr läßt Fortuna das Glücksrad spielen.
An meinem Rücken und Unterschenkel haben sich greuliche Abszesse gebildet, welche schlecht heilen.
Das Sanitätschor scheint unterbesetzt – man sagt, Typhus sei in einem Trakt ausgebrochen und auch Pfleger seien betroffen – viele Kranke haben Angst.

Christlicher Beistand wird uns 3x täglich gewahr – doch jeder weitere Besuch der netten Nonnen, bestätigt uns nur die Vergänglichkeit des Lebens.

Ich sehe Jiri am Ende des langen Ganges, welcher schon seit Wochen mein zu Hause ist.
Geschätzte 30 Mann liegen hier – ich habe wiederholt Glück, denn ich habe ein Bett.

Er und noch zwei weitere Sanitäter versorgen uns täglich mit etwas zu Essen und Trinken.
Meist Brot und Wasser, auch Suppe wird uns gereicht.
Selten erhalten wir kleine Brocken von fetter Wurst, welche wir schlecht vertragen, doch der Geschmack erfreut uns immer wieder wie ein kleines Wunder.

Zumeist dauert es bis zu 3 Stunden, bis ich an der Reihe ward.
Er hilft mir mich aufzusetzen, säubert meine Wunden, streicht eine dicke Paste auf die Abzesse und wickelt neue Verbände.
Unvermutet greift er unter seinen Kittel und reicht mir eine kleine Flasche mit Korkstoppel.
Medizin ! höre ich ihn sagen – Mein Vater hat noch vor dem Krieg viel Obst einlagern können – grinst er mich an.
Ich nehme einen kleinen Schluck – es brennt wie Feuer, als der Schnaps die Kehle runter rinnt.
Er deutet mir noch einen zu nehmen – was ich gerne tue.
Wir sehen uns am Abend Kamerad, teilt er mir noch mit und eilt zum nächsten Verwundeten.

Ich bleibe wie immer mit meinen Schmerzen und Gedanken zurück …


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BeitragVerfasst am: 12.12.2014, 13:59    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 5. Teil Antworten mit Zitat

Die Reparatur der Fuhrwerke zog sich hin – wo wir konnten halfen wir – doch nach mehr als 5 Stunden ward der Tross des Trains noch immer nicht in Sicht.
Auch der Husar erblickte im Umkreis einer halben Stunde keine weiteren Truppen.

Daher entschloß unser Hauptmann selbständig zur Truppe aufzuschließen und den Weg fortzusetzen.
Wie eine kleine Armee zogen wir dahin – Kavallerie, Jäger, schwere Infanterie, Artillerie, Train.


Aufeinander angewiesen, bivakouierten wir in dem kleinen Dörfchen Kutscherau, wo tags zuvor bereits Franzosen geplündert hatten.
Die Bevölkerung nahm uns gerne auf. Fuhrwerke und Pferde verstaut, Wacheinteilung erledigt - trockene Schlafstatt, Wärme und gekochtes Essen !
Ich schlief tief und fest.



Der folgende Tag erwies sich als sehr beschwerlich. Weite Felder, wenig Straßen, Hügel auf Hügel.
Plötzlich Unruhe bei der Avant-Garde – der Tross hält an. Man erspähte einige wenige Kavalleristen – doch unklar welche Einheit, unklar ob Freund, ob Feind.



Nebel hinderte die Sicht. Einer der Russen versuchte unserem Hauptmann klar zu machen, er solle ihm sein Fernrohr geben.
Skeptischen Blickes übergab er sein Offiziers-Fernrohr – die Hand am Säbel.


Kosak ! schrie der Russe – Kosak ! Die Kavalleristen näherten sich zögerlich, vermutlich hatten sie selbst soviel Zweifel am Gegenüber wie wir.
Langsam ergaben Ihre Umrisse klare Bilder – eine dunkelblaue Uniform, Piken, Fell- oder Wollmützen.


Im Ganzen ergaben sie eher ein verwahrlostes Bild, als jenes das wir von einer Kavallerie gewohnt sind.



Die Russen freuten sich Kameraden zu treffen, es wurde eifrigst und laut Konversation betrieben – man machte uns klar, daß die Kosaken sich uns anschlossen.
Wir freuten uns – auch unser Hauptmann, er hatte sein Fernrohr wieder.


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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 16.12.2014, 22:17, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 15.12.2014, 22:00    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 6. Teil Antworten mit Zitat

Der Morgen bricht an – Sonnenstrahlen erleuchten unser Quartier.
Aus den lauten Schnarchgeräuschen der Nacht, dringen einige wimmernde und klagende Laute hervor.
Die ersten verlassen ihre Liegestatt – wer kann.
An den widerlichen Geruch werde ich mich wohl nie gewöhnen.

Martin – ein Pfleger – öffnet die Gangtüre und eilt von Fenster zu Fenster, öffnet diese und eine frische Brise durchzieht die Halle.
Für wenig Zeit verfliegt der Gestank um uns herum.

Umtriebig laufen, humpeln und schlurfen Gestalten herum – viele kenne ich bereits.
Da ist Heinrich, der Artillerist, dem ein Holzsplitter sein Knie durchbohrte. Es wird steif bleiben.
Gleich vis-á-vis von mir liegt Karl, ein einfacher Soldat. Ihm wurde der rechte Arm abgerissen.
Obwohl hier jeder bestens versorgt wird, hege ich kaum Hoffnung für ihn.
Und Josef – unser agiler Dragoner. Auch ohne Pferd der Schnellste im Saal.
Mit mehrfachen Schnittwunden und Knochenbrüchen ward er zu uns gebracht. Viel Blut hatte er verloren und doch überlebt.

So manigfaltig die Verwundungen, so manigfaltig auch die Geschichten zu Ihren Trägern.

Ich fühle mich gut – besser als in den letzten Tagen. Die Paste heilt meine Abszesse. Die gebrochene Hand schmerzt noch am Meisten.
Der Stich in der Seite sieht oberflächlich auch schon passabel aus – jedoch innerlich verursacht er noch Qualen.
Selbst das linke Auge hat an Sehvermögen gewonnen, die Geschwulst wich zurück und mein Haupt heilt langsam aber stetig.

Zur siebenten Stunde gereicht man uns all morgentlich ein Frühstück – doch heute bringt man uns warme Suppe !
Suppe – wo sonst Wasser und Brot gereicht würde. Die Pfleger und auch die Nonnen sind freundlicher als sonst ! Warum ?

Meine Neugierde reicht über meine Schmerzen nicht hinaus – darum erfreue ich mich meiner wässrigen, aber warmen Suppe und der Schnitte Brot.

Noch immer dringt frische Luft durch die geöffneten Fenster herein – obwohl schon Mitte Dezember, ist heute ein lauer Tag.
Ein schöner Tag – ich hoffe es bleibt auch so …



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BeitragVerfasst am: 17.12.2014, 02:06    Titel: Antworten mit Zitat

mehr !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
lg
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 17.12.2014, 21:25    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 7. Teil Antworten mit Zitat

Das nächst größere Dorf heißt Herspitz – laut den Berichten der Kosaken und unseres Husars, ist eine unbestimmte Anzahl an Franzosen dort einquartiert.
Keine große Einheit, aber vermutlich mehr Soldaten als wir. Hier kann nur eine List helfen – einen Umweg zu nehmen, ward unmöglich.

Schnell wurde beratschlagt und unsere Truppe zum Bataillon formiert. In der Abenddämmerung sollte der Angriff beginnen.

Die russischen Jäger hatten die Aufgabe eventuelle Wachen und Vorposten auszuschalten.
Die Artillerie wurde an dem uns zugewandten Dorfeingang auf einem Hügel postiert, die Kosaken zur anderen Seite des Dorfes geschickt.

Der Train nur in Begleitung des Husars und der Jäger setzte sich auf der Straße in Richtung Dorf in Bewegung und sollte die Franzosen locken.


Wir Grenadiere hielten uns im Hintergrund und versuchten ungesehen so nahe ans Dorf zu gelangen wie nur möglich.

Der Plan ging auf !
Es erschallte mehrfach Alarm aus dem Dorf und die Franzosen sammelten sich am Hauptplatz.
Voltigeure bezogen bereits Posten und gingen gegen unsere Jäger vor, welche scheinbar überrascht mit den Fuhrwerken weiter zogen.

Wir hatten nun vollen Einblick in die Stärke unseres Feindes, 1 Kürassier, 1 Offizier, ca. 40 Mann, 1 Kanone.

Dann ging alles Schlag auf Schlag – unsere Artillerie eröffnete das Feuer, was die verdutzten Franzosen für einen Großangriff hielten und verwirrt zögerten.
Sie griffen unseren Train trotzdem an – da hörte man in deren Rücken bereits das bedrohliche Geschrei der Kosaken.


Somit wendeten sich die Franzosen gegen vermeintliche Kavallerie, unwissentlich derer nur 5 gegen sich zu haben, was für uns Grenadiere das Zeichen zum Angriff war.
Mit Linien-Infanterie hatten die Franzosen nicht gerechnet !


Ein kurzer aber harter Kampf entbrannte – die französische Artillerie gab keinen einzigen Schuß ab ...


... die meisten flohen, 12 Mann getötet, darunter auch der Offizier, der Kürassier wurde ob seines fanatischen Widerstands vor Ort füsiliert.


Wir hatten lediglich 5 Blessierte zu verzeichnen, einer davon schwer – er verstarb am nächsten Tag.


... Fortsetzung folgt ...
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BeitragVerfasst am: 28.12.2014, 17:38    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 8. Teil Antworten mit Zitat

Ein lauer Tag – ja, das ist er !

So richtig bewußt wurde es mir soeben wieder, als ich aus einem tiefen Schlaf erwachte und das große Fenster noch immer offen stand.

Vogel-Gesang dringt an mein Ohr und irgendwo in der Ferne klingen Glocken.
Wie spät es wohl sein mag ? Es dämmert noch, also vermutlich nicht später als die vierte Stunde am Nachmittag.

Und ein betörender Duft umschlingt mich – Aromen, welcher ich früher nicht so eindringlich gewahr wurde, welche sich aufdrängen und doch nicht mit Weiblichkeit zu tun haben, obwohl so sehr verlockend.
Der Duft muß aus der Küche kommen, welche unserem Gebäude am nächsten liegt – vis-á-vis dem Vorplatz.

Ich schließe die Augen und sehe im Geiste gebratenes Fleisch, Gemüse, Kräuter, frisches Brot – ich sehe diese Speisen so real vor meinem inneren Auge, weil der Duft alles ermöglicht.

Da zerreißt ein stechender Schmerz diesen Tagtraum und Bilder der Schlacht zertrümmern die Seeligkeit sogleich wieder.
Obwohl auf gutem Wege vollends zu genesen, bin ich doch ein Opfer dieses Krieges.
Ein Verwundeter, ein Soldat – einer von Unzähligen und doch einer von Wenigen, die überlebt haben - die trotz Verwundung überlebt haben.
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BeitragVerfasst am: 28.12.2014, 17:48    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 9. Teil Antworten mit Zitat

Wieder drängen sich Bilder der Erinnerung in mich ...

... schneidend, kalter Wind – wir marschieren - hören bereits den Donner der Kanonen.



Um uns schließt sich der Aufmarsch russischer und österreichischer Truppen.
Schließt sich wie eine Schlinge um den Feind und doch spüre ich diese Schlinge auch um meinem Hals.

Was mir mein Geist an Erinnerung noch gibt, ist das harte Gefecht mit der Polnischen Legion.

Es stand gut um unsere Truppen, gut um den Sieg zu erringen.
Unsere Kavallerie attackierte tapfer die Französische Artillerie.



Doch brachen aus den geschwächten, teilweise zurückdrängenden Franzosen, immer wieder neue Linien hervor.
Der Übermut, welcher unsere Obersten die Stellung am Hügel verlassen ließ, ward uns nun zum Verderben !



Unvermutet marschierte eine polnische Angriffskolonne direkt auf unseren linken Flügel zu, welcher zuvor von Reiterei gedeckt nun offen stand.



Meine tapferen Kameraden hielten ihre Linie, gaben Salve um Salve – doch es half nicht der größte Muth, nicht die größte Aufopferung gegen die
Massen, derer wir nur noch unsere Bajonette entgegenhalten konnten.



Meine letzten Befehle verhallten im Geschrei der Polen – wir drängten uns Schulter an Schulter – „Haltet die Linie !“ – die Gewehre krachten aufeinander.
Schmerzensschreie, blankes Eisen – ich zog mein Bajonett aus einer gekrümmten Gestalt – da sehe ich in das bärtige Gesicht eines Polen !

Ein Bajonett bohrt sich in meinen Oberschenkel – neben mir fällt ein Kamerad – ein Stich – ich ringe nach Luft – der Bärtige schreit – meine Hand
verläßt meine Seite - ich erblicke Blut – da trifft mich ein Schlag auf den Kopf – das Licht weicht und mir schwinden die Sinne.


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BeitragVerfasst am: 06.01.2015, 20:22    Titel: Austerlitz 2014 - Tagebuch eines Veteranen - 9. Teil Antworten mit Zitat

… der Duft und auch mein knurrender Magen reißen mich aus meinem Tagtraum.

Gleichzeitig geht die große Türe auf und mehrere Personen drängen in den Raum.
Ich erblicke Soldaten, einen, nein zwei Offiziere – auch Jiri ist dabei und ein paar Geistliche.

Ich richte mich im Bett auf und betrachte die tumultartigen Szenen, derer wir im Hospital gar selten erblickten.
Nonnen helfen den Rekonvaleszenten sich aufzusetzen, etwas wird ihnen gereicht, der eine Offizier spricht auf den Mann ein, die Soldaten halten sich im Hintergrund.

Da drängt sich Jiri an der Menge vorbei und kommt an mein Bett – er lächelt, wie immer, reicht mir seine Schnapsflasche und eine
Scheibe frischen Brotes mit einer dicken Schnitte geräuchertem Fleisch.

„Große Ehre an große Tag !“ sagt Jiri. Was das heißen soll, erwidere ich.
„Oberst Kayser bringt Medaillien für Helden von Austerlitz ! Mit Belohnung ! Aber nachher Festessen – bring ich Dir Pivo Kamerad !“
Damit verschwand er auch wieder.

Meine Neugierde ward geweckt – würde die Abordnung auch bei mir halten ? Und was für ein großer Tag ?
Weihnachten ! – Es ist Weihnachten ! … schießt es mir in den Kopf.
Bei all meinem Trübsal vergaß ich doch das heilige Fest !
Gleichsam verstand ich auch was all die Freundlichkeit und die Umtriebigkeit des heutigen Tages auf sich hatte – wie hellten sich da meine Gedanken.

Da tritt eine Nonne an meine Bettstatt.
„Auch Dir wird Ehre zu Teil mein Sohn. Gottes Wege sind unergründlich – der Tod fand Dich in der Schlacht und doch fandest Du Dein Heil im Leben.“
Sie zeichnete mir ein Kreuz auf Stirn und Mund, tritt zur Seite und gibt den Blick auf die Abordnung frei, welche sich soeben mir zuwendet.

Ich versuche aufzustehen – ein Corporal und ein Offizier stützen mich, drängen mich jedoch wieder zum Sitzen.
Dann geht alles so schnell, daß ich nicht gleich wußte wie mir geschah.

Oberst Kayser vom ersten Regiment „Kaiser“ sprach lobende Worte.
Reichte mir eine silberne Ehrenmedaillie sowie drei Goldkronen, einen Brief meines Regimentsobristen sowie weitere Briefe.
Und schon eilen sie zum Nächsten.

Leicht verwundert, hellauf erfreut, aber vor allem sprachlos sitze ich auf meinem Bett und starre auf die sich wiederholende Szene bei Josef, dem Dragoner.

Da klopft jemand auf meine Schulter – ich wende mein Haupt und blicke in Jiri´s Gesicht.
Sein breites Lächeln deutet auf eine weitere Person, welche rasch das Bett umrundet und mir um den Hals fällt.
Meine Liebe – meine mir Angetraute !!!
Ich ringe mit den Tränen – sie nicht, denn ihre fließen und benetzen meine Wangen.

Mein Glück ist vollkommen – mein Herz klopft schnell und laut – wahrlich ein großer Tag !
Heute ist Weihnacht, ein Fest der Liebe, der Freude und Hoffnung !

Ich sehe im Augenwinkel wie Jiri einen Teller mit dampfendem Essen hinstellt, höre die Stimme meiner Liebsten, dann kann auch ich die Tränen nicht stoppen.

Schon bald werden wir uns die Geschichten erzählen, was wir erlebt, mein Leidensweg, über ihre Reise nach Olmütz etc.
Noch viele Abende sollen es werden und vergessen sey Schmerz und Kummer !


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BeitragVerfasst am: 08.01.2015, 05:43    Titel: Antworten mit Zitat

Bravo Bravo

Sehr schön gemacht.

lg clemens
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Julian
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Anmeldungsdatum: 18.06.2013
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BeitragVerfasst am: 08.01.2015, 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Wow! Geschockt

Einfach super gemacht Wolfgang!
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Lachnit
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Anmeldungsdatum: 07.06.2008
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BeitragVerfasst am: 24.11.2016, 18:33    Titel: Marsch nach Austerlitz 2014 Antworten mit Zitat

.
.
.
... hier ist das Video zur Geschichte aufgetaucht

https://www.facebook.com/?ref=tn_tnmn&qsefr=1


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