k.k. Infanterieregiment Nr. 3 "Erzherzog Carl" - 1. Grenadier Compagnie



 

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Austerlitz 2012 - Tagebuch eines Marsches



 
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 20:52    Titel: Austerlitz 2012 - Tagebuch eines Marsches Antworten mit Zitat

KRIEG ! Wieder Krieg !
Mein ständiger Begleiter !

Es sind nun schon 5 Jahre ins Land gezogen, seit ich in kaiserliche Dienste getreten bin und der Moloch des Krieges verfolgt mich auf Schritt und Tritt.
Die Greuel die jener an den Tag bringt, die Verzweiflung und Hilflosigkeit, der ich immer wieder begegne – begegnen muß – läßt mein Herz nicht nur
schwer, sondern auch meine Gedanken grau und sinnlos werden.

Noch vor wenigen Wochen stand ich in den Reihen meiner Kameraden und versah Dienst in der Garnison.
Nun bin ich weit ab von Ihnen, beauftragt und mit Depeschen versehen am Wege nach Brünn.



Die 4. Colonne des Österreichischen Armee-Corps, welche gegen Napoleon zieht, kreuzte vor wenigen Tagen meinen Weg und ich habe mich
beim Kommandanten zur Arriere-Garde einteilen lassen, um zum Schutze der Depeschen, in sicherem Geleite marschieren zu können.

Nicht der Eile, sondern des Inhalts wegen, wurde kein Reiter, sondern meine Wenigkeit geschickt, diese wohlbehalten und vor den Augen des
Feindes verborgen an ihr Ziel zu bringen.

Unser Hauptmann – ein besonnener und kluger Mann – kennt jeden seiner Mannen beim Namen.


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viribus unitis IR3


Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 04.12.2012, 21:08, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 21:00    Titel: Austerlitz 2012 - Tagebuch eines Marsches - 2. Teil Antworten mit Zitat

… der zweite Tag meiner Reise.

Unser gemeinsamer Weg beginnt in Wischau (Vyskov) nach einem ersten Gefecht mit französischen Vorhuten.
In Richtung Kutscherau (Kucerov) – lediglich 8 km entfernt – wird die beschwerliche Reise gehen.

Wir – das sind Grenadiere und Füsiliere des 20. Regimentes von Kaunitz-Rietberg, wenige Jäger und eine Artillerie-Einheit, deren Kanone,
nebst einem von 2 Pferden gezogenen Fuhrwerke.



Wie es der Arriere-Garde obliegt, sind wir auch verpflichtet, sich der maroden Soldaten anzunehmen, welche am Marsche darnieder brechen,
Krankheiten erleiden, oder aus anderen Gründen den Vormarsch der Haupttruppe verzögern würden.



Auf halbem Wege wurde unser Tross gestoppt, es galt die Ankunft einer Kavallerie-Einheit abzuwarten. Da wir sehr gut verpflegt waren, ward
ein Feuer angefacht und rasch in einem Kessel Rotwein, Rum nebst Kräutern angerührt und ein stärkendes Heißgetränk gereicht. 4 Kessel voll
mußten wir vertilgen, erst dann kamen die Meldereiter und der Marsch wurde fortgesetzt.

Kurz vor Kutscherau vernahmen wir durch unsere Jäger, daß noch eine kleine Einheit Franzosen im Dorfe sei, welche gerade den Abmarsch vorbereiteten.



Nachdem die 4. Kolonne an Kutscherau vorbeimarschiert war, sodaß die Franzosen unbehelligt blieben, glaubten wir uns im Vorteile und mit dem
Moment der Überraschung einen siegessicheren Streich zu tun.

Rasch ward der Plan zum Angriffe besprochen und ohne Linie, als Plänkler, gingen wir an, das Dorf zu befreien. Der Feind ward auf der Hut, sodaß
wir zu früh erkannt und sofort mit Musketenschüssen begrüßt wurden.

Hier bewährte sich unsere Kanone und deren Mannschaft, welche in aller Eile die leicht abfallende Straße und im Schutze unserer Schüsse
in Stellung ging und dem Feinde mit großen Kugeln antwortete. Dieser hatte keine Artillerie, jedoch leider einige Reiter, welche uns sofort angriffen.



Es kostete uns nicht nur viel Mut, sondern auch Blut, die Franzosen aus Kutscherau zu vertreiben. 5 Tote Franzosen waren jedoch für 4 Verletzte
Kameraden ein wohlfeiler Preis und voller Stolz wurden wir ins das Haus geführt, welches vorher dem französischen Kommandanten als Quartier
diente und teilten uns deren Vorräte an Bier und Brantwein.

Der Dank des Bürgermeisters war uns sicher und wir hatten eine ruhige Nacht in geschützten Räumen und Scheunen.


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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 21:14    Titel: Austerlitz 2012 - Tagebuch eines Marsches - 3. Teil Antworten mit Zitat

… der dritte Tag meiner Reise.

Es gilt sicher zu stellen, der Haupttruppe zu folgen, diese jedoch in Eilmärschen an unsere russischen Verbündeten heranzuführen ward vorrangig.

Unsere Pläne der Umgebung schienen sehr genau und wir folgten den Hauptpfaden. Beschwerlich, aber stets in Bewegung, kamen wir gegen
Mittag an eine Kreuzung, welche uns den Weg Richtung Herspitz (Herspice) weisen sollte.

Dort angekommen, berichtete uns ein Bauer, daß der Pfad über den Hügel so derart durchnäßt sei, daß es für unser Fuhrwerk kein Weiterkommen
gäbe und wir den Umweg beschreiten müssen. Dies kostete uns nicht nur weitere Anstrengung, sondern auch kostbare Zeit.



Die Länge des Marsches schafft mir Gedanken, derer loszuwerden mir schwer fällt. Mir ist heiß – der Wind wird stärker – mir ist kalt.
Mein Neid gilt den Wolken, welche in Leichtigkeit die Landschaft überwinden.

Kurz vor Herspitz galt es eine steile Anhöhe zu bezwingen, was unseren Pferden alle Kraft kostete und die leicht Blessierten absteigen mußten.

Mein Kreuz schmerzte, meine Füße versagten mir den Dienst - speziell mein linkes Knie gab mir deutlich zu verstehen, daß ich an meine Grenzen
stieß. Auch zeichneten sich noch Nachwirkungen unserer kleinen Siegesfeier vom Vortage ab.

Aber das Ziel und meine Aufgabe vor Augen, ließen mich auch dieses Beschwernis meistern.



Zum Glück wurden wir in Herspitz von einer kleinen österreichischen Einheit empfangen, welche uns das Gleiche berichtete, was uns zu Kutscherau geschehen.
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Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 04.12.2012, 23:43, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Lachnit
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 21:24    Titel: Austerlitz 2012 - Tagebuch eines Marsches - 4. Teil Antworten mit Zitat

… der vierte Tag meiner Reise.

Gleich aus einer Bewußtlosigkeit, wurde ich in aller Früh von meinen Kameraden geweckt und mußte erkennen, daß sich mein linker Fuß nicht
erholt hatte, sondern die Beweglichkeit des Knies, unter starken Schmerzen, fast nicht möglich war.

Auch hier gilt mein Dank der fahrenden Artillerie, welche mir Platz am Fuhrwerk verschaffte. Eine rasche Stärkung und sofort wieder auf den
Weg gemacht. Die dunklen Wolken der drohenden Schlacht werden dichter und dichter.



Der Wind wird stärker – es herrscht nach wie vor trübes Wetter – doch kein Regen verschlimmert uns den Marsch.

Im Laufe des Tages erschien mir die Kälte nicht aus den Gliedern fahren zu wollen. Die Anstrengung des Marsches bescherte meinem Körper
doch die wohlige Wärme, ja beinahe Hitze, welche mir nun, sitzend am Wagen, fehlte.

Doch es ward über Nacht kälter geworden und wir erhielten wieder Zuwachs an Soldaten, welche dringender Mitfahrgelegenheit am Fuhrwerke
brauchten. Mein Knie hatte sich einigermaßen erholt und ich fühlte mich gestärkt und machte bereitwillig Platz.



Wieder erreichte uns eine Kavallerie-Einheit mit dem Befehle uns in Richtung Bosenitz (Tvarozna) zu begeben, noch rund 5-6 km entfernt.
Dort sei das Hauptquartier der Verbündeten aufgeschlagen worden, man erwartet den Angriff der Franzosen bei Austerlitz.



Am Nachmittage erreichten wir endlich den Rand des Dorfes und sahen mit großer Erleichterung, daß aus allen Richtungen österreichische
Truppen und Verbündete eintrafen. Wir bezogen Quartiere in einem großen Gemeindehaus und alsbald trafen wir auf das Gros des 20. Infanterie-
Regimentes von Kaunitz-Rietberg.



Meiner größten Freude zum Ausdruck zu bringen ward mir gewähret, als ich in einem Trupp versprengter Einheiten auch Kameraden aus meiner
Einheit – der ersten Grenadier-Compagnie Erzherzog Carl – gegenüber stand.

Ausgelassen und überschwenglich an Erleichterung, ohne an die bevorstehende Schlacht zu denken, feierten wir noch bis spät in die Nacht !

Nun schließe ich meinen Bericht. Und möge uns Gott in der bevorstehenden Schlacht beistehen. Meiner Pflichten und Aufgaben getreu, denke ich
doch daran, ob es mir gestattet sein wird, jemals meine Liebden wieder zu sehen.

Doch hinfort ihr trüben Gedanken – morgen gilt es eine Schlacht zu schlagen !

November 30. a.d. 805


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viribus unitis IR3


Zuletzt bearbeitet von Lachnit am 04.12.2012, 21:29, insgesamt einmal bearbeitet
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Andreas_P
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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir sehr gut! Ausgezeichnet geschrieben, einfach ein toller Bericht!
Danke für die aufwendige Arbeit!

lg andi
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Sachsenkuki
Freiwilliger



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BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

Genial gemacht, sehr fein und anschaulich. Größten Respekt denen, die sich der Authentizität vor der Schlacht gestellt haben.

Gruß aus Sachsen
Kuki
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Lachnit
Feldwebel



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Beiträge: 619
Wohnort: Wien 22 - Essling

BeitragVerfasst am: 05.12.2012, 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

... und noch ein paar Impressionen in Farbe:


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viribus unitis IR3
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regiments-tambour
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Beiträge: 352
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BeitragVerfasst am: 07.12.2012, 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr ausführlicher und anschaulicher Bericht.

Dankeschön!
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Michael
Grenadier



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Anmeldungsdatum: 05.01.2007
Beiträge: 39
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BeitragVerfasst am: 10.12.2012, 22:14    Titel: Antworten mit Zitat

Verehrter Herr Quartiermeister!

Ich ersuche, meinen Dank für die eindrückliche Schilderung der Ereignisse und meinen Respekt für die vollbrachte Leistung entgegenzunehmen.
Eine Zeitreise, wie sie authentischer und eindrucksvoller nicht hätte sein können.
Unterthänigst
Gren.M.A.
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plochi35
Tambour



Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 16.09.2007
Beiträge: 112

BeitragVerfasst am: 13.12.2012, 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Grüß Euch!

Ist ein echt toller und ausfürlicher Bericht aus vergangener Zeit.

Ein großes Lob an unseren Herrn Korporal.






Sehr glücklich Lg Franz
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